3 Steuertipps, die Du von Deinem Steuerberater garantiert nicht erwartest

Nein, hier geht es definitiv nicht ums Belege sammeln, Investitionen planen und die optimale Rechtsformwahl. Davon kursiert schon weit mehr durch die Weltgeschichte, als irgend jemand sollte lesen müssen. Und mindestens die Hälfte davon nützt Dir als Solopreneur oder Freiberufler nicht die Bohne.

Mir geht es hier um etwas ganz anderes, nämlich aus meiner Sicht die wichtigsten Tipps zum Thema Steuern für kleine Unternehmen:

Schütze Deine Lebenszeit und -energie.

Wenn ich manchmal erlebe, wie viel Zeit und Lebensenergie darauf verschwendet wird, ein paar Euro Steuern hier und dort zu „sparen“, stehen mir die Haare zu Berge. Und wenn ich mir dann vorstelle, was diese Unternehmer mit dieser Zeit und Energie alles hätten bewegen können, wenn sie sie auf das  verwendet hätten, was sie am besten können, blutet mir das Herz.

Aber hey, sagst Du nun vielleicht, Du bist doch Steuerberaterin, müsstest Du das nicht schon von Berufs wegen super finden, wenn Deine Kunden Steuern sparen wollen? Ich finde: nein, muss ich nicht.

Klar will ich, dass meine Kunden keinen Cent mehr bezahlen, als unbeding nötig und dafür setze ich mich auch ein. Aber Steuern sind eben nur ein Teil der Gleichung. Lebenszeit und Lebensenergie sind der andere.

Steuern sind in den letzten 20 Jahren zum Lenkungsinstrument für die Bürger geworden: „willst Du eine Vergünstigung, spring bitte durch diesen oder jenen Ring.“

Ein einfaches Beispiel:

Mal angenommen, Dein kalkulatorischer Stundensatz liegt bei 100 €. Wenn ich Dich als Steuerberater also eine Stunde damit beschäftige, einen Beleg über 100 € zu suchen, damit ich ihn für Dich von der Steuer absetzen kann, hast Du – selbst wenn Du den Spitzensteuersatz von rund 50 % bezahlst – 50 € Steuern gespart und eine produktive Stunde im Wert von 100 € verloren, die Du mit 50 % also 50 € versteuert hättest. Unter dem Strich also ein Nullsummenspiel – nur, dass Du Dich wahrscheinlich wegen des Belegs herumgeärgert hast, statt Freude zu haben  und Nutzen mit Deinem Kunden zu schaffen.

Mit den sogenannten „Gestaltungsmöglichkeiten“ um die überall so viel Wind gemacht wird, ist es nichts anderes. Unter dem Strich sind sie für den Solounternehmer im Alltag oft nur anstrengend und der steuerliche Erfolg steht häufig schlicht auch nicht dafür. Da gilt es einfach genau hin zu schauen, bevor man sich auf irgendeine Gestaltung einlässt, nur weil im Internet gerade alle meinen, das sei steuerlich „das neue Schwarz“.

Deshalb, bleib wach und nimm mit, was sich Dir bietet, aber behalte dabei den Preis Deines Investments an Lebenszeit und -energie im Blick.

Mache Deinen Frieden.

Steuern werden Dich, egal wo auf der Welt und was auch immer Du auch tust, zu jeder Zeit begleiten. Sie sind per se weder gut noch böse und ich kann Dir versichern, sie haben Dich nicht persönlich auf dem Kieker 😉

Es liegt bei Dir, Du hast die Wahl:

Entweder Du ärgerst Dich Dein Leben lang darüber, verschwendest viel Lebensqualität und Energie indem Du Dir vom „Steuerkram“ den Tag vermasseln lässt.

Oder Du nimmst ihn einfach neutral als Bestandteil Deines Lebens an – wie Zähneputzen oder Rasieren (oder bei mir: Bügeln) – und sparst Deine Energie für das, was Dir so richtig Spaß macht.

Einer meiner Lieblingssprüche lautet:

„Der Mensch besteht zu 65% aus Wasser, der Rest ist Einstellung!“

Mach Dir diesen Umstand zunutze. Wähle Deine Einstellung, ich kann Dir versprechen, die Steuern warten hier auf Dich.

Schaffe Dir einfache Prozesse.

Die Anforderungen im Bereich Steuern sind immer die Gleichen. Das ist einerseits ziemlich langweilig, bietet Dir aber eine Riesen-Chance:

Du kannst Dir Prozesse zusammenstellen, die genau auf Dich und Deinen Unternehmer-Alltag abgestimmt sind. Machen musst Du’s sowieso, da beißt die Maus keinen Faden ab – aber auf das „Wie“ kommt es für Dich an.

Dazu gehört auch die Auswahl von Apps und „Methoden-Hacks“, die Dir im Idealfall auch noch Spaß machen. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Varianten, seinen „Belegpflichten“ nachzukommen und vor allem, um diese Aufgaben sinnvoll mit anderen zu teilen, seien es Steuerberater, virtuelle Assistenten oder Teamkollegen.

Schau Dich um, probiere aus, was für Dich am Besten funktioniert, was Dich täglich möglichst wenig belastet und was Du leicht in Deinen Alltag einbauen kannst.

Lass Dich dazu idealerweise vom Steuerberater Deines Vertrauens coachen.

Und dann … tu was Du am Besten kannst und genieße Dein Leben 🙂

Liebe Grüße

Deine Benita